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20.12.2017 - Hormonelle Verhütung - neue Studie bestätigt alte Erkenntnisse

In Dänemark wurden die Krankheitsdaten von 1,8 Millionen Frauen untersucht mit der Frage, ob die Verwendung von hormonellen Verhütungsmitteln das Risiko erhöht, an Brustkrebs zu erkranken1. Im Durchschnitt konnten die Krankheitsdaten für jede Frau über fast 11 Jahre nachverfolgt werden; die Forscher zählten 12.163.902 sogenannte "Frauenjahre". In der Gruppe der Frauen, die niemals ein hormonelles Verhütungsmittel verwendet haben - 7.815.180 Frauenjahre - traten 5955 Brustkrebserkrankungen auf. Das entspricht 55 Erkrankungen pro 100.000 Frauenjahren. In der Gruppe der Frauen, die in ihrem bisherigen Leben länger als sechs Monate hormonell verhütet haben, traten 58 Brustkrebserkrankungen pro 100.000 Frauenjahre auf. Der Unterschied waren also 3 Brustkrebserkrankungen pro 100.000 Frauen pro Jahr.

"Ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Brustkrebs bei Anwendung hormonaler Verhütungsmethoden wird seit längerer Zeit beschrieben; insofern bringt diese Studie keine neuen Erkenntnisse", sagt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. "Auch in den Fachinformationen aller hormonellen Kontrazeptiva wird seit langem darauf hingewiesen, sowohl bei Kombinationspräparaten als auch bei Gestagen-Monopräparaten, und auch unabhängig von der Applikationsart." Dr. Albring betont, dass das Risiko, im Zusammenhang mit der Verhütung an Brustkrebs zu erkranken, sehr niedrig ist, was auch die neue Studie aus Dänemark wieder gezeigt hat. Der letzte Satz der Studien-Autoren in der Zusammenfassung lautet dem entsprechend "absolute increases in risk were small" - die absolute Zunahme des Risikos war gering.

Bis heute ist nicht klar, welche Faktoren für die Zunahme der Brustkrebs-Erkrankungen wesentlich sind. Es sei allerdings davon auszugehen, so Albring, dass vorhandene hormonabhängige Zellen in der Brust unter bestimmten Bedingungen durch Hormone stimuliert werden können. Ein wichtiger Anhaltspunkt für diese These ist die Tatsache, dass die Zahl der Brustkrebserkrankungen einige Jahre nach dem Ende der hormonellen Verhütung wieder auf völlig normale Werte zurückgeht. Albring merkt zudem an, dass sich bei einer nachträglichen Auswertungen von Daten, wie in Dänemark geschehen, immer statistische Ungenauigkeiten ergeben. Wirklich ursächliche Zusammenhänge könnten indessen nur durch Plazebo-kontrollierte Interventionsstudien nachgewiesen werden. Somit bleiben weiterhin alle Fragen rund um hormonelle Verhütung und Brustkrebs auch nach der dänischen Publikation offen.

Albring weist darauf hin, dass die Frauen es in gewissem Umfang selbst in der Hand haben, ihr Risiko für Brustkrebs zu senken: Deutliches Übergewicht erhöht das Krebsrisiko um bis zu 30%. Fehlende körperliche Bewegung verstärkt diesen Effekt noch. Auch Alkohol und Nikotin sind wichtige Faktoren in der Krebsentstehung; ebenso erhöhen früher Beginn der Menstruation, später Eintritt des Klimakteriums, Kinderlosigkeit und späte Schwangerschaften das Brustkrebsrisiko, wie Dr. Albring betont. Im Vergleich zu diesen bedeutenden Brustkrebsrisiken ist der Einfluss der hormonellen Verhütung als sehr gering einzuschätzen.

Außerdem sollte beachtet werden, dass eine hormonelle Verhütung nicht nur für die meisten Frauen eine geeignete Methode ist, um zuverlässig Schwangerschaften zu verhüten. Während der Anwendung hormoneller Verhütungsmittel sinkt auch das Risiko für Dickdarmkrebs und Gebärmutterkörperkrebs deutlich, bei Eierstockskrebs um fast die Hälfte. Dieser Effekt hält auch nach dem Absetzen der Verhütung über viele Jahre an.

1 Lina S. Mørch, Ph.D., Charlotte W. Skovlund, M.Sc., Philip C. Hannaford, M.D., Lisa Iversen, Ph.D., Shona Fielding, Ph.D., and Øjvind Lidegaard, D.M.Sci. N Engl J Med 2017; 377:2228-2239December 7, 2017 DOI: 10.1056/NEJMoa1700732 . http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1700732 entnommen 20.12.2017

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