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29.06.2018 - Jod in der Schwangerschaft bedeutet Schutz für das Gehirn des Babys

Ein Mangel an Jod in der Schwangerschaft behindert die Gehirnentwicklung und führt zu lebenslangen Auswirkungen. Jodmangel gehört damit zu den gefährlichsten und am weitesten verbreiteten Problemen in der Schwangerschaft. Wissenschaftler haben festgestellt, dass bei einem Jodmangel in der Schwangerschaft ein schlechterer IQ noch im Alter von 5 bis 8 Jahren nachgewiesen werden kann, verglichen mit Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft keinen Jodmangel hatten(1).

"Wir wissen aus sorgfältigen Untersuchungen, dass etwa 40% aller Schwangeren einen Jodmangel haben", erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und schlägt Alarm: "Es steht zu befürchten, dass die Kinder aus diesen Schwangerschaften das ganze Leben lang nicht das genetisch veranlagte Potential ihrer Talente und Intelligenz entfalten können."

Jod wird als Baustein der Hormonen der Schilddrüse benötigt. Diese Hormone stellt der Embryo in seiner eigenen Schilddrüse bereits ab seiner achten Lebenswoche selbst her; zu dieser Zeit kann das Schilddrüsenhormon der Mutter nur noch in Spuren durch die Plazenta zu ihrem Kind gelangen. Das Schilddrüsenhormon ist zwingend notwendig für den Aufbau von Nerven- und Gehirngewebe, von Muskeln und Knochen,  sowie für viele weitere Funktionen des wachsenden Organismus. Für die Bildung des eigenen Schilddrüsenhormons muss genügend Jod im Blut vorhanden sein. Aus zahlreichen Untersuchungen in Deutschland ist bekannt, dass in Deutschland 40% aller Schwangeren zuwenig Jod aufnehmen. Um den Jodmangel auszugleichen, reicht allerdings die Jod-Ergänzung in Speisesalz, in Brot und Fertiggerichten bei weitem nicht aus: Ein viel wesentlicher Faktor ist, dass viele Schwangere entsprechend der Empfehlung ihrer Frauenärzte inzwischen das notwendige Jod täglich als Tabletten einnehmen.

"Dass Frauen die empfohlene Jod-Ergänzung am besten schon vor ihrer Schwangerschaft ernst nehmen und die ganze Schwangerschaft und Stillzeit über beibehalten sollten, das zeigt die soeben veröffentlichte Studie aus Spanien (1), nach der die Folgen des Jodmangels in der Schwangerschaft bei den Kindern noch viele Jahre lang erkennbar sind, bis hin zu einer Häufung von autistischen Verhaltensweisen", so Albring.

Jod-Düngung von Gemüse - Konzept für die Zukunft

"Das Problem von Jodsalz ist, dass es durch den Kochvorgang stark reduziert wird", erläutert Dr. med. Klaus Doubek, Frauenarzt in Wiesbaden und Mitglied im Arbeitskreis Jodmangel.  Ein interessanter neuer Ansatz zur Verbesserung der der Jodversorgung könnte in der gezielten Jod-Düngung beim Anbau von Nahrungspflanzen wie Gemüse liegen. Denn Jod, das in Gemüse bereits vor dem Kochen enthalten ist, bleibt bei der Zubereitung weitgehend erhalten, wie ein Forschungsprojekt an der Hochschule Osnabrück gezeigt hat. Als besonders effizient für die Erhöhung des Jodgehaltes in Gemüse erwies sich eine Blattdüngung kurz vor der Ernte (2). „Im Rahmen von weiteren Untersuchungen soll dieses Verfahren bis zur Praxisreife weiterentwickelt und der ernährungsmedizinische Nutzen in einer begleitenden Diätstudie geprüft werden“, erläutert der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. rer. hort. Diemo Daum. Ziel ist es, pflanzliche Lebensmittel zu erzeugen, die ähnlich jodreich sind wie Milch oder Seefisch: "Damit wäre es möglich, Jodlieferanten auch für Schwangere anzubieten, die sich vegan ernähren.". Für die Vermarktung solche Gemüseerzeugnisse wäre es natürlich wichtig, dass der erhöhte Jodgehalt klar herausgestellt wird, betont Daum.

"Bis es so weit ist, können wir allen Schwangeren nur dringend ans Herz legen, die Jodversorgung ihrer Babys mit Jodtabletten sicherzustellen", mahnt Albring. "Die Schäden, die ein Jodmangel am kindlichen Gehirn anrichtet, sind irreversibel."

(1) Thyroid Function in Early Pregnancy, Child IQ, and Autistic Traits: a Meta-analysis of Individual-participant Data. Deborah Levie, Tim I M Korevaar, Sarah C Bath, Albert Dalmau-Bueno, Mario Murcia, Mercedes Espada, Mariana Dineva, Jesús M Ibarluzea Jordi, Sunyer Henning Tiemeier et al. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, jc.2018-00224, https://doi.org/10.1210/jc.2018-00224   . Published: 10 May 2018

 (2) Factors influencing the efficacy of iodine foliar sprays used for biofortifying butterhead lettuce (Lactuca sativa). Patrick G Lawson, Diemo Daum, Roman Czauderna, Carsten Vorsatz. Journal of Plant Nutrition and Soil Science 179 (5) 661-669, https://doi.org/10.1002/jpln.201600213, Published: 09 August 2016


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Ihre Experten für Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt:

Dr. med. Christian Albring
Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.

Dr. med. Klaus Doubek
Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes der Frauenärzte
Beirat im Arbeitskreis Jodmangel e.V.

Anfragen über die Pressestelle des Berufsverbandes der Frauenärzte, siehe hier

Ihr Ansprechpartner für die Joddüngung in der Landwirtschaft:

Prof. Dr. rer. hort. Diemo Daum

Hochschule Osnabrück
Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur
Oldenburger Landstr. 24
49090 Osnabrück
Tel.: 0541 - 969 5030
E-Mail: d.daum@hs-osnabrueck.de

 

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