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13.11.2018 - Zuckerkrank in der Schwangerschaft - unterschätztes Risiko

Pressemitteilung anlässlich des Weltdiabetestages am 14.11.2018

In Sachen Zuckerstoffwechsel liegen in der Schwangerschaft Schutz und Schaden ganz eng beieinander. Auf der einen Seite sorgen Hormone der Plazenta in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft dafür, dass der Blutzucker der Mutter nie zu tief absinkt, damit dem Baby über die Nabelschnur immer genug Energie für sein Wachtum zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite kann dieses System auch entgleisen, so dass der Blutzucker nach jeder Mahlzeit, nach jedem Snack und nach jedem Glas Saft zu lange zu erhöht bleibt und das Kind immer wieder Phasen der Überernährung ausgesetzt ist. "Dadurch besteht die Gefahr, dass das Baby größer und schwerer wird, und dass die Balance im Wachstum der inneren Organe verlorengeht. Jede siebte Schwangere in Deutschland hat einen gestörten Zuckerstoffwechsel," erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Der Fachausdruck für diese Störung ist "Schwangerschaftsbedingte Zuckerkrankheit", auch bekannt als "Gestationsbedingter Diabetes mellitus", abgekürzt GDM.

Da der GDM das Risiko für viele Erkrankungen bei Mutter und Kind erhöht und zudem meist sehr gut behandelt werden kann, ist in der gesetzlichen Schwangerenvorsorge zwischen der 24. und 28. Woche ein GDM-Test vorgesehen. "Er sollte unbedingt wahrgenommen werden", so Albring. "Denn GDM ist zwar häufiger bei Frauen, die schon vor der Schwangerschaft übergewichtig waren. Er entwickelt sich aber genauso auch bei schlanken Frauen." Wichtig ist dann eine Ernährung ohne Süßes, wie Obst, Marmeladen etcetera, und stattdessen mit Nahrungsmitteln, die den Blutzucker weniger stark ansteigen lassen. Oftmals stellt sich auch heraus, dass die Frauen sich doch reichlicher ernährt haben als es für sie und ihr Baby notwendig ist. „Dann kann auch während der Schwangerschaft eine vorsichtige Kalorienreduktion sinnvoll sein.“

Großer Kopf - schwierige Geburt

Die häufigste Folge einer Überernährung beim Baby ist, dass es sehr groß ist, und einen großen Kopfdurchmesser hat. "Bei großen Babys besteht die Gefahr, dass die natürliche Geburt den Beckenboden der Frau erheblich in Mitleidenschaft zieht", erläutert Albring. „In der Geburtshilfe gilt folgende Regel, wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist und die Austreibungsphase mit den Presswehen beginnt: jede Viertelstunde, die diese Phase dauert,  erhöht das Risiko für einen Riss oder Abriss der Beckenboden-Muskulatur um acht Prozent; besonders Frauen über 35 Jahre sind gefährdet. Auch wenn das Baby selbst durch eine lange Austreibungsphase vielleicht keinen Schaden nimmt, sehen wir doch immer wieder, dass die Schäden am Beckenboden erheblich und bleibend sein können", sagt Albring. Unwillkürlicher Wasserabgang und fehlende Kontrolle des Stuhlgangs können zu den Folgen gehören. "Die meisten Frauen wünschen sich eine natürliche Geburt", so der Frauenarzt. "Aber wenn das Baby groß ist und wenn es sich um die erste Geburt handelt, ist eine länger dauernde Geburt wahrscheinlich."

 Gegensteuern - mit richtiger Ernährung und Bewegung

Ist der Schwangerschaftsdiabetes erkannt, kann praktisch immer ein frühzeitiges energisches Entgegensteuern diese Komplikationen vermeiden. Dazu muss die Schwangere ihre Ernährung sehr entschieden umstellen und viel Bewegung in ihren Alltag einbauen. In den meisten Fällen ist das bereits ausreichend, um den Blutzucker zu senken."Leider gelingt das nicht immer“, bedauert der Frauenarzt. Um eine ständige Überernährung des Kindes durch einen hohen Blutzuckerspiegel abzustellen, hilft manchmal nur noch das regelmäßige Spritzen von Insulin bis zur Geburt.

Kinder gehen belastet ins Leben

Kinder, deren Mütter einen unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes in der Anamnese hatten, neigen selbst von Anfang an zu Übergewicht und haben später ein erhöhtes Risiko, einen Bluthochdruck und Diabetes zu entwickeln. Auch die Mütter selbst haben ein erhöhtes Risiko, später einen bleibenden Diabetes zu entwickeln, selbst wenn es dafür vor der Schwangerschaft keine Anzeichen gab. „Schwangerschaftsdiabetes ist keine Bagatelle. Wir sind froh, dass wir heute die Möglichkeit haben, den Test auf diese Veränderung bei jeder Schwangeren im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge durchzuführen.“
 
 
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