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16.09.2003 - Sichere Verhütung nach der Geburt

Für viele Paare spielt die Sorge oder Unsicherheit eine wichtige Rolle, dass die Frau nach der Geburt eines Kindes zu früh wieder schwanger werden könnte. Schon der Gedanke an eine neuerliche Schwangerschaft kann ein unbeschwertes Sexualleben belasten. Die geeignete Verhütung sollte deshalb nicht nur gemeinsam geplant werden, sondern sie muss während der Stillzeit auch einem veränderten Anforderungsprofil entsprechen. Das heißt, die Verhütung sollte Sicherheit gewährleisten, jedoch die Milchqualität und –produktion sowie das Gedeihen des Kindes nicht beeinflussen.

Stillen als Verhütung?
Noch bei unseren Großmüttern galt das Stillen als Verhütungsmethode, die von der heutigen Generation jedoch als “Ammenmärchen” belächelt wird. Die Wahrheit liegt zwischen beiden Aussagen. Da früher keine zuverlässigen Verhütungsmittel zur Verfügung standen, bot das Stillen zumindest eine gewisse Sicherheit, den Abstand zwischen zwei Schwangerschaften hinauszuschieben. Eine stillende Frau ist jedoch nicht unbedingt vor einer erneuten Empfängnis geschützt, da ebenso wie bei der nicht stillenden Mutter bereits vor der ersten Menstruation ein Eisprung erfolgen kann. Das gilt insbesondere dann, wenn die Stillabstände länger werden. Es ist davon auszugehen, dass auch bei Frauen, die “voll stillen” bei einem Abstand von sechs Stunden ein Eisprung stattfinden kann, der eine ungewollte Empfängnis ermöglicht. Obgleich während der Stillperiode in den meisten Fällen der Eisprung ausbleibt, ist das Stillen nicht so zuverlässig wie andere Verhütungsmethoden, die heute zur Verfügung stehen. Darum sollten sicherheitshalber auch beim Stillen zusätzlich Verhütungsmittel benutzt werden.

Die Pille - mit Einschränkung
Bei der Einnahme von Pillenpräparaten gelten während der Stillzeit besondere Empfehlungen Die Kombinationspille ist ungeeignet, da die darin enthaltenen Östrogene den Milchfluss mindern können und das Baby damit gleichzeitig einer größeren Hormonmenge mit der Muttermilch ausgesetzt ist. Stattdessen wird die so genannte Minipille als Mittel der Wahl empfohlen. Sie enthält lediglich das Hormon Gestagen, das meistens wesentlich niedriger dosiert ist als bei den Kombinationspräparaten. Die Minipille übt keinen negativen Einfluss auf die Milchproduktion aus. Sie muss allerdings täglich und stets zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden. Die Pilleneinnahme empfiehlt sich frühestens sechs Wochen nach der Entbindung und erreicht im Verbund mit dem Stillen bei regelmäßiger Einnahme eine hohe Verhütungssicherheit. Ab dem fünften Monat nach der Geburt kann auch die Mikropille Anwendung finden, wobei der erste Monat unsicher ist.

Die Spirale
Spiralen können während der Stillzeit verwendet werden, denn sie üben keinerlei Einfluss auf die Milchproduktion und das Baby aus. Frühestens sechs bis acht Wochen nach der Geburt sollte der Frauenarzt die Anpassung der Spirale vornehmen. Anderenfalls kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie bei einer vorzeitigen Anpassung wieder ausgestoßen wird (Rückbildungsprozess).

Barrieremethoden
Kondom und Diaphragma eignen sich als so genannte Barrieremethoden in der Stillzeit, da negative Folgen auf die Milchproduktion oder den Säugling auszuschließen sind. In Gegensatz zur relativ einfachen Handhabung des Kondoms muss ein Diaphragma vom Frauenarzt angepasst werden. Dieser Hinweis gilt auch für Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft ein Diaphragma zur Verhütung gewählt hatten. Wegen der körperlichen Veränderung durch die Schwangerschaft ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein zuvor benutztes Diaphragma ungeeignet. Aufgrund der Rückbildung der Scheide kann ein neues Diaphragma erst rund drei Monate nach der Geburt des Kindes vom Frauenarzt angepasst werden. Für die Barrieremethoden gilt allgemein, dass ihre Zuverlässigkeit von der umsichtigen und konsequenten Anwendung abhängig ist.

Das Hormonimplantat
Während der Stillzeit ist das Hormonimplantat Implanon nicht zu empfehlen, da sich die enthaltenen Hormone wie bei den Kombinationspillen auswirken können.

Knaus-Ogino
Die Knaus-Ogino-Methode – nach ihrem Erfinder genannt – ist auch unter den Namen Kalender- oder Rhythmus-Methode bekannt. Sie ermittelt rein rechnerisch die fruchtbare Zeit im weiblichen Zyklus und ist als Verhütungsmethode nach der Geburt und während der Stillzeit unzuverlässig und deshalb ungeeignet.

Coitus interruptus
Der “Rückzieher” oder das “Aufpassen” gehört zu den veralteten Verhütungsmethoden und darf nicht als wirksam bezeichnet werden. Dieses Vorgehen bietet keinerlei Sicherheit, denn es kommt bereits vor dem Orgasmus zum Austritt von Samenflüssigkeit. Da der Coitus interruptus keinerlei Hilfsmittel, Vorbereitung oder großer Worte bedarf, ist er zwar bequem, bietet jedoch keine Sicherheit.

Die Schleim- oder Temperaturmethode
Die natürlichen Methoden zur Familienplanung wie Schleim- und Temperaturbeobachtung sind in der Stillzeit nur bedingt geeignet. Insbesondere Frauen, die bis dahin noch keine Erfahrungen mit diesen Möglichkeiten gesammelt haben, sollten andere, einfachere Methoden anwenden. Außerdem ist nicht vorhersehbar, wann sich nach der Entbindung und während des Stillens der Zyklus und damit die fruchtbaren Tage durch die Hormonumstellungen einpendeln. Die Methoden können sich jedoch für Frauen eignen, die bereits viele Erfahrungen in dieser Hinsicht gesammelt haben, sich bei der Anwendung sicher fühlen und für die eine erneute Schwangerschaft kein grundsätzliches Problem darstellen würde.

Die Pille danach
Die Pille danach sollte nur im Notfall wie ungeschütztem Verkehr, Kondom gerissen, Diaphragma verrutscht usw. genommen werden. Nach der Geburt muss ihr Einsatz im Einzelfall unbedingt mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin abgesprochen werden.

Die Drei-Monats-Spritze
Die Drei-Monats-Spritze besteht wie die Minipille aus reinen Gestagenen und verfügt auch über einen vergleichbaren Wirkmechanismus. Sie wird insbesondere Frauen empfohlen, die andere Methoden nicht vertragen oder Probleme mit der Einnahme von Tabletten haben. Nach der Geburt und beim Stillen ist sie nur in Ausnahmefällen als geeignet zu betrachten.

Anmerkung
Frauen, die nicht stillen, sind in der Wahl der Verhütungsmittel keinen Einschränkungen unterworfen. Nur beim Einsetzen einer Spirale muss natürlich abgewartet werden, bis sich die Gebärmutter zurückgebildet hat.
Eines gilt jedoch für alle jungen Mütter: Um das körperliche Beisammensein mit dem Partner nach der Geburt genießen zu können, sollte damit gewartet werden, bis die Frau sich wirklich wieder dazu bereit fühlt. Dies setzt Kommunikation und gegenseitiges Verständnis voraus, die in dieser Phase ohnehin von großer Bedeutung sind.
Kurz aufeinander folgende Schwangerschaften stellen sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung dar. Deshalb sollte die Verhütung nach der Geburt eines Kindes wohl überlegt sein.

Der Frauenarzt oder die Frauenärztin sind die verlässlichen Ansprechpartner bei der Wahl der geeigneten Verhütungsmethode.

Maria-E. Lange-Ernst