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01.03.2018 - Hormone und Psyche - Prämenstruelles Syndrom, Wechseljahre und Co.

Sieben von zehn Frauen nehmen die körperlichen und psychischen Veränderungen in der zweiten Zyklushälfte als unangenehm war. Von der schwersten Ausprägung dieser Veränderungen sind weltweit etwa drei bis acht Prozent aller Frauen betroffen, wie Prof. Dr. med. Anke Rohde, Bonn, auf der Pressekonferenz des FOKO erläuterte1. Diese Krankheit wird „Prämenstruelle Dysphorische Störung“ (PMDS) genannt. Sie ist die Steigerung der bekannten „Prämenstruellen Störung“ (PMS). „Man muss allerdings davon ausgehen, dass die Mehrzahl betroffener Frauen keine angemessene Therapie erhält“, erläutert Rohde. Denn für die PMDS gibt es bisher im international gültigen Diagnosesystem ICD 10 keine entsprechende Diagnosekategorie.

Die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ des Robert-Koch-Instituts2 hat die bereits früher bekannten Geschlechtsunterschiede in der Häufigkeit psychischer Störungen eindrucksvoll bestätigt. So werden bei Frauen etwa zweimal so häufig wie bei Männern Depressionen, Angststörungen und psychische Störungen mit körperlicher Symptomatik, sogenannte somatoforme Störungen, diagnostiziert. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen.

Frauen häufiger in schwierigen Lebenssituationen 

So nehmen Frauen medizinische Hilfe leichter an als Männer und gehen mit psychischen Problemen anders um. Andererseits sind aber Frauen auch häufiger als Männer von bedeutenden Lebensereignissen und schwierigen Lebenssituationen betroffen wie zum Beispiel Schwangerschafts¬abbrüche, Fehlgeburten, Totgeburten, ungewollte Kinderlosigkeit, Verantwortung als alleinerziehendes Elternteil, Gewalt im sozialen Nahbereich, Pflege von Angehörigen und anderes. Weiterhin führen hormonelle Einflüsse bei nicht wenigen Frauen zu psychischen Problemen, so etwa im Laufe des Menstrationszyklus und im Rahmen der Wechseljahre. Auch die Verwendung einer hormonellen Verhütung kann zu positiven, ebenso aber auch zu negativen Veränderungen der Stimmung führen. Im Zusammenhang mit einer Brustkrebs-Behandlung werden häufig Antihormone verwendet, die sehr oft starke Wechseljahres-Beschwerden mit Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Depressivität auslösen.

Und nicht zuletzt sind hohe Hormonspiegel in der Schwangerschaft und der rasche Abfall der Hormone nach der Entbindung in normale Bereiche oder bei stillenden Müttern sogar darunter an psychischen Problemen beteiligt. Dabei treten psychische Störungen in diesen Zusammenhängen in der Regel bei Frauen auf, bei denen bereits früher eine Neigung zu psychischen Erkrankungen bestanden hat.

Von körperlichen und psychischen Veränderungen in der zweiten Zyklushälfte und speziell in der prämenstruellen Woche sind 70 bis 90 % aller Frauen vor den Wechseljahren betroffen. Dabei variieren Spektrum und Schweregrad prämenstrueller Symptome stark. Weltweit sind etwa drei bis acht Prozent aller Frauen in ihrer fruchtbaren Lebensphase von der schwersten Ausprägung des prämenstruellen Syndroms betroffen, nämlich der sogenannten Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS), deren Kernsymptome Reizbarkeit, Aggressivität, Anspannung und depressive Verstimmung sind. Konflikte im sozialen und familiären Umfeld können zu erheblichem Leidensdruck bei den Frauen und ihren Familien führen und sind meist das Hauptmotiv dafür, nach Behandlungsmöglichkeiten zu suchen.

Keine angemessene Behandlung

Man muss allerdings davon ausgehen, dass die Mehrzahl betroffener Frauen keine angemessene Therapie erhält, da es in der ICD-10, dem derzeit in Deutschland gültigen Diagnosesystem („Internationale Klassifikation psychischer Störungen“, Diagnosesystem der WHO) keine Diagnosekriterien für ein Prämenstruelles Syndrom gibt, bei dem die psychischen Symptome im Vordergrund stehen. Man könnte auch sagen, dass hierzulande die Störung PMDS, an derer Existenz Fachleute nicht zweifeln, bisher fast unbekannt ist. Anders sieht es in den USA aus, wo in der DSM-5, der aktuellen Fassung des amerikanischen Diagnosesystems psychischer Erkrankungen, nach zahlreichen Studien zum Thema entsprechende Diagnosekriterien aufgenommen wurden. Dies ist bedauerlich, weil durch zahlreiche plazebokontrollierte Doppelblindstudien mittlerweile hinreichend belegt ist, dass mit Antidepressiva, die schwerpunktmäßig auf das Serotoninsystem wirken (insbesondere die SSRI = Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) die PMDS sehr gut behandelbar ist. Eine andere, oftmals hilfreiche Strategie ist die durchgehende Gabe einer „Pille“.

Auch die Zeit der Wechseljahre – die Zeit vor und nach der letzten Menstruation – geht für viele Frauen mit Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen einher. Etwa ein Drittel aller Frauen erlebt diese Zeit ohne jegliche Probleme, etwa ein Drittel leidet unter leichten „Wechseljahrsbeschwerden“, wie Hitzewallungen und Schlafstörungen, und ein Drittel unter ausgeprägten Symptomen. Auch Probleme in dieser Zeit entstehen durch das Einwirken mehrerer Faktoren: Der Wegfall der positiven Auswirkungen der Hormone auf die Stimmung ist also nicht von alleiniger Bedeutung, sondern auch die vielfältigen Veränderungen in dieser Zeit können einen Einfluss haben. Zu nennen sind hier beispielsweise Veränderungen in der familiären Lebenssituation durch das Erwachsenwerden der Kinder („Empty-nest-Syndrom“), Rollenwechsel beispielsweise bei der Übernahme der Verantwortung als Pflegende für Eltern oder Schwiegereltern, Änderungen in der Partnerschaft, Neuorientierung im Beruf und nicht zuletzt Verlust der Fruchtbarkeit und körperliche Veränderungen mit Auswirkungen auf das Aussehen und auch auf die Sexualität.

Klimakterische Beschwerden werden als Zeichen des Alterungsprozesses empfunden und können Selbstwertgefühl, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität empfindlich einschränken. Vor allem dann, wenn die Frau eine Hormonersatztherapie ablehnt oder wenn eine solche Therapie wegen eines erhöhten Krebsrisikos ausgeschlossen ist.

© FOKO 2018

 

1 FOKO 2018, 01.- 03.03.2018 in Düsseldorf. Größter frauenärztlicher Fortbildungskongress in Deutschland. Pressekonferenz 01.03.2018. 

2 Busch MA, Maske UE, Ryl L, Schlack R, Hapke U (2013): Prävalenz von depressiver Symptomatik und diagnostizierter Depression bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2013 56 (5–6): 733–739. Epub May 27. DOI 10.1007/s00103-013-1688-3.
und
Jacobi F, Höfler M; Siegert J, Mack S, Gerschler A, Scholl L, Busch M, Hapke U, Maske U, Gaebel W, Maier W, Wagner M, Zielasek J Wittchen HU (2014). Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul „Psychische Gesundheit“ (DEGS1-MH). Der Nervenarzt, 85, 77-87.