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07.03.2018 - Alarmierende Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen - Pille danach und Verhütungs-Apps

Um 2,5% ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2017 gegenüber 2016 angestiegen. In der Altersgruppe von 30 bis 40 Jahren beträgt der Anstieg 4%, bei Frauen zwischen 40 und 45 Jahren über 7%. Auch im Jahr 2016 war schon gegenüber dem Vorjahr eine ähnliche Steigerung zu beobachten. Es liegt nahe, so der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Dr. med. Christian Albring, hier einen Zusammenhang mit zwei wichtigen Ereignissen aus dem Jahr 2015 herzustellen:

Zum einen wurde in diesem Jahr die Pille danach aus der Rezeptpflicht entlassen, so dass Frauen sie jetzt ohne ärztliche Beratung direkt in der Apotheke erhalten können. "Wir haben von Anfang an darauf hingewiesen, dass die Apotheker durch ihre eigene Standesorganisation ungenügend auf diese anspruchsvolle Beratung vorbereitet wurden, und das zu einer Zunahme unerwünschter Schwangerschaften führen könnte", erläutert Albring. Das Bundesgesundheitsministerium hatte im Zuge der Rezeptfreigabe der Pille danach eine Evaluation dieses Prozesses angekündigt. "Wir gehen davon aus, dass der neue Gesundheitsminister diese Zusage einlösen und die Qualität der Apothekenberatung kritisch überprüfen wird", so Albring.

Zum anderen begann im Jahr 2015 der Prozess zweier junger Frauen, die in einer Zeit, in der sie hormonell verhütet hatten, an einer Lungenembolie erkrankt waren. Die Frauen hatten moniert, dass die Herstellerfirma ihrer Informationspflicht auf dem Beipackzettel nicht ausreichend nachgekommen war.

Der Prozessbeginn war der Anstoß für eine massive Kritik an der hormonellen Verhütung in den Medien mit dem Effekt, dass der Verkauf hormoneller Verhütungsmittel seitdem um über 4% pro Jahr zurückgegangen ist. "Selbst wenn 2% davon dem demographischen Wandel geschuldet sind, ist zu fragen, wie die Frauen, die keine hormonelle Antikonzeption mehr verwenden, heute ungewünschte Schwangerschaften verhindern", so Albring. "Sich in die Prinzipien einer hormonfreien, natürlichen Verhütung einzuarbeiten braucht einiges an Zeit und Sorgfalt. Wir fürchten, dass viele Frauen denken, sie könnten sich das erleichtern, indem sie eine Zyklus-App zur Verhütung verwenden. Die meisten Zyklus-Apps legen aber unzureichende Berechnungen zugrunde, um die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage voneinander zu unterscheiden, auch solche, die sich selbst bescheinigen, so sicher zu sein wie die Pille. Es steht zu befürchten, dass die meisten Verhütungs-Apps Frauen geradewegs in unerwünschte Schwangerschaften führen."

Wenn eine Frau tatsächlich ohne Hormone, ohne Kupfer in ihrem Körper und ohne Barrieremethoden verhüten will und dabei eine Zuverlässigkeit erwartet, die so hoch ist wie bei Pille und Spirale, dann muss sie sich Zeit nehmen. Sie muss ihren Zyklus und ihren Körper kennenlernen, sich in die Methoden der natürlichen Verhütung einschließlich Messung der Körpertemperatur und Beobachtung des Schleims aus dem Gebärmutterhals einarbeiten und danach entscheiden, ob das für sie und ihren Partner ein geeigneter Weg sein kann. Statt ihre Beobachtungen über die Monate mit Stift und Papier festzuhalten, kann sie dann eine geeignete App verwenden. Aber keine App kann diese notwendige Selbstbeobachtung ersetzen, weil es immer notwendig ist, Stress, Action oder Unvorhergesehenes im normalen Zyklusablauf zu berücksichtigen.

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