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03.05.2018 - Frauenärzte sehen Feststellungen des IGeL-Monitors kritisch

Die größte Sorge der gesetzlichen Krankenversicherung scheint zu sein, dass die Einnahmen durch Versichertenbeiträge nicht ausreichen könnten, um alle notwendigen Kosten im Gesundheitssystem zu decken. Der gesetzliche Auftrag an die Ärztinnen und Ärzte, die Kassenpatientinnen und -patienten betreuen, ist daher nicht die bestmögliche Behandlung bis zur vollständigen Gesundung bei optimaler Lebensqualität, sondern eine Behandlung, die wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig ist[1]. Welche Leistungen dazugehören und welche nicht ist eng definiert.

Neue Methoden der Diagnostik und Behandlung, die häufig medizinisch hochgradig sinnvoll sind, dürfen von Ärztinnen und Ärzten in Deutschland - auch wenn sie nicht oder noch nicht in den gesetzlichen Leistungskatalog aufgenommen worden sind - zwar erbracht werden. Die Ärzte bekommen für ihre Leistung aber von den Krankenkassen kein Honorar; das muss von den Patientinnen und Patienten selbst aufgebracht werden. Der Sammelbegriff für diese Angebote, so unterschiedlich sie auch sind, ist "Individuelle Gesundheitsleistung", abgekürzt IGeL. „Viele davon sind so sinnvoll, in Studien erprobt und in Leitlinien empfohlen, dass sie eigentlich Kassenleistungen sein sollten“, bedauert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Aber gerade bei Methoden, die bei sehr vielen Menschen angewendet werden sollten, wie Impfungen oder Vorsorge- und Früherkennungs-Maßnahmen, besteht aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung immer die Furcht, dass sie den vorhandenen Kostenrahmen sprengen könnten“.

IGeL-Monitor verschweigt in vielen Kapiteln Leitlinien-Empfehlungen

Die Krankenkassen haben mit dem IGeL-Monitor ein Instrument des Medizinischen Dienstes geschaffen, das diese modernen „Individuellen Gesundheits-Leistungen“ in der Öffentlichkeit vielfach in Misskredit bringt und gleichzeitig tiefes Misstrauen gegen die Ärztinnen und Ärzte sät, die diese Leistungen erbringen. Gern wird jedoch von den Herausgebern des Monitors zitiert, dass der IGeL-Monitor sich "im Einklang mit den Leitlinien" befände, so auch erneut auf der Pressekonferenz des IGeL-Monitors am 03.05.2018 in Berlin. In der Vergangenheit wurden jedoch vom IGeL-Monitor gerade solche Methoden als negativ bewertet, die hochgradig sinnvoll waren, in Leitlinien empfohlen wurden, und dann doch später in die Regelversorgung aufgenommen wurden, wie z.B. das Screening auf Gestationsdiabetes.

Auch bei einer anderen frauenärztlichen Untersuchung, dem Ultraschall der Brust, schweigt der IGeL-Monitor sich über die Empfehlungen in Leitlinien aus und legt fest, dass der Ultraschall der Brust in der Früherkennung des Brustkrebs einen "unklaren Nutzen" habe. „Dabei wird gerade diese Untersuchung in der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Brustkrebs bei dichtem Brustgewebe empfohlen; bei solchen Patientinnen werden in der Mammographie – seit vielen Jahren ist das bekannt – bis zu einem Drittel der frühen Krebserkrankungen übersehen“, erläutert Albring.
 
Frauenärztlicher Ultraschall hat viele Aufgaben 

Dass dagegen der isolierte Ultraschall zum Screening auf Eierstockskrebs als nicht sinnvoll eingeschätzt wird, entspricht auch der Haltung des Berufsverbandes der Frauenärzte. Die zusätzliche gynäkologische Ultraschall-Untersuchung wird von den Frauenärzten deshalb auch nicht zu dem Zweck durchführt, um einen Krebs der Eierstöcke zu entdecken.

Stattdessen geht es darum, mit dem transvaginalen Ultraschall Veränderungen im kleinen Becken von Gebärmutterhals, Gebärmutterkörper, Harnblase, Eierstöcke und der Bauchhöhle zu beurteilen. "Wir sehen Zysten und angeborene Tumore der Eierstöcke, Muskelknoten sowie Wucherungen und Polypen der Schleimhaut in der Gebärmutter und finden Blasenkarzinome. Wir können Flüssigkeitsansammlungen feststellen, die im jungen Alter auf einen Eisprung oder eine geplatzte Zyste, in höherem Alter aber auf eine Krankheit hin deuten“, erläutert Albring.

Besonders bei Frauen, die nicht entspannt sind und reflektorisch bei Druck eine harte Bauchdecke haben, sowie bei Übergewichtigen und Frauen mit Verwachsungen  kann man mit dem normalen gynäkologischen Tastbefund nur bedingt etwas tasten. Hier bringt, so der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, der Ultraschall einen Qualitätssprung.

"Der Ultraschall ist eine völlig ungefährliche Untersuchungsmethode, die uns hilft, viele wesentliche Erkenntnisse zu gewinnen und der Frau auf einem viel höheren Level als ohne ihn zu bescheinigen, dass alles in Ordnung ist. Es scheint, dass die Krankenkassen - und ihr Sprachrohr, der IGeL-Monitor -, diese Untersuchung so massiv kritisiert, um möglichst lange zu verhindern, den Ultraschall als Screeningmethode in die Regelversorgung aufzunehmen“, so Albring.

Erhebliche Zweifel an der Methodik des IGeL-Monitors

Erhebliche Zweifel meldet der Berufsverband der Frauenärzte an der Methodik an, die Statistiken des IGeL-Monitor zugrunde liegt. Die auf der Pressekonferenz am 03.05.2018 in Berlin vorgestellten Zahlen stammen aus Befragungen von mehreren tausend Versicherten. Sie beruhen nicht auf Statistiken über Leistungen und Abrechnungen der Ärzte. Die Angabe, ob es sich bei der Untersuchung um eine umfassende Untersuchung aller weiblichen Geschlechtsorgane gehandelt hat oder um eine – sehr unwahrscheinliche – isolierte Untersuchung der Eierstöcke, ist einzig der Erinnerung der Patientinnen überlassen.

„Wir gehen davon aus, dass kein einziges Mitglied des Berufsverbandes der Frauenärzte eine alleinige Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke vornimmt“, so Albring. "Der 'Ultraschall des Bauchraums' kommt in der Statistik des IGeL-Monitors ebenfalls vor, wurde aber nicht bewertet. Leider ist es die undankbare Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten, Patientinnen immer wieder erklären zu müssen, wieso innovative, sinnvolle und wichtige Leistungen von ihrer Krankenkasse nicht übernommen werden, und IGeL sind."

Untersuchungsnotwendigkeiten nur nach Evidenzen zu beurteilen sei fatal, zumal dann wenn deutsche Studien nicht vorliegen. Ausländische Studien sind auf unser Gesundheitssystem meist nicht anwendbar, so Albring. „Zum Beispiel werden Eierstocksbefunde in Deutschland zunächst – gegebenenfalls nach einer Behandlung mit Hormonen - auch mehrfach kontrolliert, und erst bei fehlender Besserung zur Operation überwiesen. Der Operateur muss dann selber den Befund durch Tastung und Ultraschall oder weitere Untersuchungen nachvollziehen, bevor er letztlich operiert. Diese sichere Doppelbefundung fehlt meist im Ausland.“


[1]  WANZ-Kriterium, Definition des SGB V.

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